„La Dolce Vita“ in der Faschingshochburg Kammer
- vor 3 Tagen
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Volles Haus beim Blau-Weiss-Ball – Heimische Garden begeistern
Wenn sich Tittmoning in die südlichste Stadt Italiens verwandelt, Trostberg auf Handys verzichtet, die Große Kreisstadt Traunstein zur schottischen Zauberschule wird oder Pruttinger Hippies mit dem Mofa aufbrechen, dann ist die närrische Zeit in vollem Gange. Neben den „Blau-Weißen“ Gastgebern präsentierten gleich zwei Männergruppen die beweglichsten und schönsten Beine des Dorfes. Wenn sich alle Akteure an einem Ort versammeln und auf ein bestens gelauntes Publikum treffen, wird schnell klar: Die Faschingsfreunde Blau-Weiss Kammer haben zu ihrem Blau-Weiss-Ball geladen, der am Wochenende im Gasthaus Jobst über die Bühne ging.
Einmal mehr brachten die heimischen Garden ein sehenswertes, mitunter spektakuläres Programm auf die Bühne und begeisterten damit die Zuschauer. Während der Tanzrunden sorgte die Band Orange Club für Stimmung und bot den tanzfreudigen Gästen ein abwechslungsreiches und breites Repertoire, um sich ausgiebig die Beine zu vertreten. Unter dem Dach des Gasthauses lud zudem eine Bar dazu ein, sich in angeregte „Faschingsfachgespräche“ zu vertiefen. Ein DJ heizte die Stimmung weiter an und trug dazu bei, dass unter anderem der Traunsteiner Faschingsreporter sowie zahlreiche Gäste erst in den frühen Morgenstunden – teils mühsam – die Heimreise antraten.
Viele Kostüme waren mit viel Liebe zum Detail gestaltet, sodass sich der Saal in einen bunten und fröhlichen Veranstaltungsort verwandelte, der vielen Gästen noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Traunsteins Stadtoberhaupt Dr. Christian Hümmer mischte sich gemeinsam mit Stadtrat Rolf Wassermann unter die Besucher. Obwohl er tags zuvor von der Veitsgroma-Zunft beim Rathaussturm symbolisch entmachtet worden war, gelang es ihm, einen Spendenscheck für die Vereins- und Nachwuchsarbeit zu sichern, den er den Blau-Weißen überreichte. Für diesen Mut wurden beide mit dem diesjährigen Blau-Weiss-Orden ausgezeichnet.
Die Gastgeber schickten tänzerisch alles ins Rennen, was sie in diesem Jahr zu bieten haben. Mit fast 50 Kindern und Jugendlichen wurde es bei ihren Auftritten auf der Tanzfläche richtig voll. Mit großer Freude präsentierten sie ihre Tänze und wurden dafür mit reichlich Applaus sowie Jubel- und Zugaberufen belohnt. Das diesjährige Prinzenpaar Nicolas I. und Simy II. schwebte beim Walzer ebenso elegant über die Bühne wie bei seiner „Glücksbringer“-Zugabe – dem modernen Teil der Darbietung.
Trotz der mahnenden Worte von Präsidentin Fini Berny, man präsentiere „eine Show mit einem Namen, der nicht genannt werden darf“, fühlte sich der Faschingsreporter der Informationspflicht gegenüber den Leserinnen und Lesern verpflichtet – und zeigte sich von der „Harry-Potter-Geschichte“ begeistert. Tolle Kostüme, mitreißende Tänze und sogar ein wasserspeiender Drache sorgten für Staunen im Publikum.
Unter dem Motto „Make love, not war“ fiel eine „Horde“ Hippies auf Mofas aus Prutting in Kammer ein und begeisterte mit Tanzeinlagen der Garde sowie des Prinzenpaares Michael I. und Rebecca I. Eine tänzerische Verfolgungsjagd – unter anderem zum Technosong „Eins, zwei, Polizei“ – lieferten sich die Tänzerinnen aus Teisendorf und erhielten dafür langanhaltenden Applaus.
Eine große, liebevoll inszenierte Strandparty veranstalteten die Faschingsfreunde aus Chieming unter dem Motto „Aloha Chieming“. Bei spektakulären Hebefiguren bis unter die Saaldecke stockte so manchem der Atem. Leichte Zweifel, ob die Geschichte tatsächlich am Chiemsee spielte, kamen angesichts bislang seltener Haisichtungen in diesem Gewässer zwar auf – doch gemeinsam mit dem Walzer des Prinzenpaares Johanna I. und Andi II. lieferten die Chieminger eine Darbietung mit zahlreichen tänzerischen Höhepunkten.
„Streit im Märchenwald“ lautete das Motto des Faschingsvereins vom zweitgrößten See der Region. Die Mitglieder der SoHalunke Waging gelten als besonders fröhliche Zeitgenossen – und einer der Elferräte dürfte an diesem Abend der glücklichste Mensch gewesen sein: Ihm kam die Rolle des verwunschenen Frosches zu, der die schlafende Prinzessin wachküssen durfte. Zuvor hatte eine böse Tanzhexe bei den Feen im Waginger Märchenwald für reichlich Durcheinander gesorgt. Der Applaus zeigte: Die Aufführung kam bestens an.
Wenn die Briten behaupten, ihre Kronjuwelen würden sicher im Tower of London lagern, dürfte das zumindest an diesem Abend infrage gestanden haben. Wie bekannt wurde, befanden sich diese im Museum in Grabenstätt. Offenbar verfügt das Museum über ein ähnlich ausgeklügeltes Sicherheitssystem wie das Grünes Gewölbe in Dresden – denn die Showtanzgruppe Grabenstätt konnte die Juwelen mühelos entwenden. Mit zahlreichen tänzerischen Glanzpunkten und eindrucksvollen Hebefiguren ernteten sie dafür verdienten Applaus.
Eine mitreißende Hip-Hop-Show präsentierten die Elfer aus Trostberg und entführten das Publikum mit „Back to the Moment“ in eine Zeit ohne Smartphone-Dominanz. Während der Aufführung dürfte kaum jemand auf die Idee gekommen sein, sein Handy zu zücken. Unterdessen muss Regensburg den Titel „nördlichste Stadt Italiens“ wohl an Tittmoning abtreten. Die Tänzer aus der Salzachstadt brachten so viel „La Dolce Vita“ nach Kammer, dass ihnen der Applaus des Publikums sicher war.
Eine Frage blieb jedoch offen: Wer präsentierte die schönsten Beine? Seit sich Kammer zur Hochburg der Männerballette entwickelt hat, spielen sowohl die Fußballerbeine der DJK Kammer als auch die Tanzbeine der „Blau-Weißen Prinzengarde“ ganz vorne mit. Frenetische Jubel- und Zugaberufe sowie fliegende Frauenherzen begleiteten beide Auftritte und sorgten für rundum gelungenes Bühnenprogramm, durch das der Präsident Max Hiebl souverän führte.
Am Dienstagabend (24. Februar) besteht in Kammer noch einmal die Gelegenheit, das Tanzbein zu schwingen: Die Blau-Weißen laden zum traditionellen Kehraus, bei dem der Orange Club nochmals kräftig in die Tasten greifen wird. Ein unterhaltsames Faschingsbegräbnis beschließt schließlich die närrische Zeit im Dorf. Dabei präsentieren die Faschingsfreunde im Saal des Gasthauses Jobst in Rettenbach noch einmal ihr gesamtes Bühnenprogramm.
Text/Bild: Hubert Hobmaier







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