„Wir entsprechen eurer Bitt – die Kammerer reiten wieder mit!“
- vor 21 Stunden
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Volles Haus beim letzten Rittbitten – Ortsstandarte wurde restauriert
Kammer. Das dreizehnte und damit letzte Rittbitten der Mitglieder des St.-Georgs-Vereins aus Traunstein wurde traditionsgemäß im Gasthaus zur Post in Kammer durchgeführt. Die „Kammerer Roßerer“ rund um ihren Sprecher Hans Jobst bereiteten der Delegation aus Traunstein nicht nur einen herzlichen Empfang, sondern sicherten Simon Schreiber auch die Teilnahme und Unterstützung am Ostermontag zu. Außerdem wurde die Kammerer Ortsstandarte restauriert und am Abend des Rittbittens präsentiert. Beim Georgiritt werden in diesem Jahr der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, sowie die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber erwartet. Außerdem feiert der Schwertertanz seine 100-jährige Wiedereinführung.
Zweifelsohne der wichtigste Moment an diesem Abend war die Antwort der „Kammerer Roßerer“ auf die Bitte von Simon Schreiber, auch in diesem Jahr am Traunsteiner Georgiritt teilzunehmen. Stellvertretend antwortete ihr Obmann Hans Jobst in seinem Prolog mit den Worten: „Wir entsprechen eurer Bitt – die Kammerer reiten wieder mit!“ Dies nutzte er auch, um die Kammerer dazu aufzurufen, sich wieder in großer Zahl am Ritt zu beteiligen, und richtete gleichzeitig einen Dank an die befreundeten Pallinger Pferdefreunde, die die Kammerer unterstützen werden.
Seit Corona eine Andacht in der Kammerer Kirche
„Wir sind stolz auf unsere Pferde und haben Freude daran, sie auch herzuzeigen“, betonte Hans Jobst und würdigte die große Wertschätzung durch die Stadt Traunstein und den Georgiverein Traunstein. Seinen Dank richtete er auch an Stadtpfarrer Konrad Roider, der im Vorfeld zum Rittbitten eine Andacht in der Kammerer Pfarrkirche abgehalten hatte. „Diese Andacht haben wir während der Corona-Pandemie eingeführt, als Zusammenkünfte in Gasthäusern nicht möglich waren“, informierte Hans Jobst und ergänzte: „In der Kirche war dies sehr wohl möglich – daher wurde in dieser Zeit dort die Bitte zur Rittbeteiligung an uns gerichtet.“
Gleichzeitig informierte er darüber, dass die Kammerer Ortsstandarte, die zwar im Besitz des St.-Georgs-Vereins ist, von mehreren fleißigen Helfern liebevoll aufbereitet wurde. „Damit sollten wir in den kommenden Jahren wieder ein ordentliches Bild abgeben“, so Hans Jobst mit einem Augenzwinkern. Dabei nutzte er die Gelegenheit, sich bei Johannes Kallsperger, Alois Drechsler jun., Rolf Wassermann und Anna Maria Jobst für deren Unterstützung bei der Restaurierung zu bedanken.
Der Traunsteiner Georgiritt ist eine Wallfahrt – kein Event
In seiner Ansprache erinnerte Simon Schreiber daran, dass der Georgiritt „kein Event, sondern eine Wallfahrt ist“ und die Verantwortlichen sehr viel Wert auf Tradition legen. Dies wurde auch in der Aussage deutlich: „Wir jüngeren Leute kennen den Georgiritt nur in seiner heutigen Form. Dies liegt daran, dass wir entsprechend der Tradition keine größeren Veränderungen vornehmen.“
Traditionell wurde daher auch die Bitte um die Beteiligung in althergebrachter Art und Weise ausgesprochen: „Für den alten Brauch nach Ettendorf wir reiten, wie zu Väters Zeiten“, so der Vorsitzende des St.-Georgs-Vereins. Darüber hinaus sorgte Simon Schreiber für einen Lacher, als er den Bräu Bernhard Sailer noch vor dem Traunsteiner Stadtoberhaupt begrüßte und betonte: „Ohne dich wären wir heute sicherlich nicht da.“
Schwertertanz feiert heuer Jubiläum
Darüber hinaus informierte der Vorsitzende darüber, dass der Schwertertanz am Stadtplatz in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum feiern darf. „In seiner heutigen Form feiert dieser Teil des Georgiritts seine 100-jährige Wiedereinführung“, so Simon Schreiber.
Die Ursprünge des Traunsteiner Schwertertanzes gehen allerdings bereits auf das Jahr 1530 zurück. Georg Schierghofer hatte die Erwähnung eines Schwertertanzes im Jahr 1922 im Zuge der Vorbereitungen auf das 800-jährige Stadtjubiläum wiederentdeckt. In seiner heutigen Form wurde er 1926 erstmals aufgeführt und symbolisiert damals wie heute die Austreibung des Winters durch den Frühling.
Traunsteins Stadtpfarrer Konrad Roider und die Gemeindereferentin Monika Angerer nutzten ihre Ansprache, um darauf zu verweisen, dass es sich beim Georgiritt um eine Wallfahrt handle, „zu der auch Anliegen und Bitten mitgebracht werden können“. Gleichzeitig informierten sie darüber, dass auch heuer direkt am Ettendorfer Kircherl, aber auch am Stadtplatz, eine Pferdesegnung durchgeführt wird.
Die Kammerer Roßerer sind auch heuer dabei
„Für mich beginnt der Georgiritt mit dem Rittbitten in Kammer bereits heute Abend“, betonte Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer und brachte seine Freude zum Ausdruck, „dass ihr euch auch in diesem Jahr beteiligen werdet“. Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: „Wetterversprechen werde ich in diesem Jahr keine geben, der Wahlkampf ist ja schließlich vorbei.“
Weiter informierte er darüber, dass „im Dreiergespann aus St.-Georgs-Verein, Kirche und Stadt Einigkeit besteht, dass der Georgiritt keinen Eventcharakter bekommen darf und vielmehr aus Traditionsbewusstsein und gesellschaftlicher Grundeinstellung heraus durchgeführt wird“. Darüber hinaus gab er bekannt, dass neben Kardinal Reinhard Marx und Ministerin Michaela Kaniber unter anderem Benjamin Krause in einer Ehrenkutsche Platz nehmen wird. Dieser bringt sich seit seiner Kindheit für den Georgiritt ein, und sein Engagement wird dadurch gewürdigt.
Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, und die Trachtenkinder aus Rettenbach sowie der „Alterfinger Zwoagsang“ mit Alois Drechsler und Hermann Ober sowie die Musikanten Theresa Ober, Georg Hartl und Sebastian Reischl gestalteten einen geselligen Abend. Sehr zur Freude der Gäste tanzten, sangen und musizierten sie zwischen den Ansprachen und unterhielten die Gäste auch noch nach dem offiziellen Teil musikalisch.
Beim Rittbitten wurde kostenlos Brot verteilt
Ein Stück „gelebte Tradition“ wurde den Gästen zum Abschluss der Veranstaltung zuteil. Einige Mitglieder des St.-Georgs-Vereins verteilten Brotscheiben im Saal. Diese „kleine Geste“ reicht in die Nachkriegsjahre des Zweiten Weltkriegs zurück. Die Kammerer Bauern zeigten sich damals gegenüber den verarmten Traunsteinern recht großzügig und ließen für die „Bittgänger“ eigens Brot backen, das beim Rittbitten verteilt wurde. Der Brauch lebt auch heute noch, und so hat die Bäckerei Kotter auch in diesem Jahr wieder einige Körbe voller Brot gestiftet, die im Saal verteilt wurden.
Anschließend saßen die Teilnehmer noch bis in die Nacht hinein zusammen, um sich über den Ritt und dessen Geschichten auszutauschen und den Musikanten zu lauschen. Am Ostermontag um 10 Uhr erhebt der Herold (Simon Schreiber) auf dem Stadtplatz seinen Stab und gibt das Zeichen zum Aufbruch. Anschließend reiten die Teilnehmer durch die Straßen der Stadt hinauf zum Ettendorfer Kircherl und zurück zum Stadtplatz. Mit dem Georgiritt verbunden ist der Schwertertanz. Dieser Tanz symbolisiert den Sieg des Frühlings über den Winter. Aufführungen sind um 9.30 Uhr und noch einmal um 14 Uhr auf dem Stadtplatz.
Text/Bild: Hubert Hobmaier






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